Das nackte Leben ist …

… kultextur bei der „Swinging Soho Student’s Night“ im LWL-Museum Münster.

Swinging Soho im LWL-MuseumBilder, die das pulsierende Leben in all seinen Facetten zeigen, müssen nicht immer einfach „nur“ an der Wand hängen. Das dachte sich auch das Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Münster und feierte anlässlich der Sonderausstellung Das nackte Leben. Bacon, Freud, Hockney und andere. Malerei in London 1950-1980 die erste Nacht der Studierenden in diesem Jahr. Unter dem Titel Swinging Soho Student’s Night öffnete das LWL-Museum am 9. Januar seine Pforten für einen Abend mit Elektrobeats, Poetry Slam, Video-Installationen von Studierenden der Kunstakademie und Kunst zum Ausprobieren in den offenen Ateliers der Museumspädagogik.

Und das Museum swingte tatsächlich – unter den Füßen von rund 3000 Besucherinnen und Besuchern. Auch die kultextur folgte der Einladung des LWL-Museums und stellte mit Studierenden der Universität Münster eine 45-minütige Leseaktion auf die Beine. Leute im LWL Museum

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – einen besseren Schreibimpuls können wir uns nicht vorstellen. Vor allem, wenn es die Sorte von Bildern ist, die zur großen Kunst gehören. Mit Studierenden der Schreibwerkstatt des Germanistischen Instituts waren wir zweimal in der Ausstellung, haben vor den Bildern geschrieben – Bildern, die das Leben roh, ungezügelt und einfach “zu nah dran” zeigen, um nicht über sie nachzudenken, zu reden und natürlich zu schreiben.

Da der Beginn des Abends vor allem im Zeichen des Eintauchens und Ausprobierens stand, gaben wir den Ausstellungsbesuchern die Möglichkeit, in einer Schreibaktion die Frage „Was ist das nackte Leben für dich?“ zu beantworten. Wir waren sehr erfreut über so viele unterschiedliche, nachdenkliche, witzige und kreative Antworten, die wir an diesem Abend erhalten haben. Das Ergebnis dieser Schreibaktion ist hier zu sehen. Neben Texten aus dem kultextur-Archiv, die während des ganzen Abends auf kleinen Plakaten bei ausgewählten Werken der Ausstellung zu lesen waren, brachten wir außerdem einige Bilder zum Sprechen.

Tisch mit AntwortenWir hatten uns vorgenommen, uns nicht nur beim Schreiben von den Bildern aus dem London des letzten Jahrhunderts leiten zu lassen, sondern die so entstandenen Texte zu Werken wie z.B. Lights III: The Black Ballon (Michael Andrews, 1973) oder Portrait of Hugh Gaitskell as a Famous Monster of Filmland (Richard Hamilton, 1964) in einer Dauerschleife direkt bei den jeweiligen Exponaten zu lesen, inmitten von Museumswärtern und Besuchern. Unser Ziel war es, als Lesende mit der Ausstellungsszenerie zu verschmelzen, um die Bilder herum eine „Erzählblase“ zu erzeugen, ihnen temporär eine Stimme zu verleihen und Geschichten hervorzulocken. Geschichten von düsteren Luftobjekten, die eines Nachts über London auftauchen, einer gescheiterten Liebe oder einer Maskenbilderin, die keine Masken anfertigt.

Neben dem Bild Stellung zu beziehen, den Text fest in der Hand, und zwischen unzähligen Museumsgästen vorzulesen, egal, ob gerade jemand stehenbleibt und zuhört oder nicht: ein Experiment, das viel Adrenalin und Endorphin – den Stoff aus dem das pure Leben ist – durch die Adern jagt.

Ob das nackte Leben nun „ein Schiff“ oder schlicht und einfach „fabulös“ ist – alle, die es mit eigenen Augen sehen und diese Frage für sich selbst beantworten wollen, können noch bis zum 22. Februar die Ausstellung im LWL-Museum besuchen.