Frakturen – Der Einbruch des Realen

Ein Riss

Was auch immer man euch erzählen mag, die Realität ist ein Ort, an dem wir uns nicht gerne aufhalten: das ganze Universum zusammengehalten von physikalischen Gesetzen, beleuchtet von chemischen Reaktionen und bestehend zu 99,99% aus Nichts.

Wir Schreiberlinge leben lieber hier, zwischen den Rissen, in den Brüchen und Umbrüchen des Realen, in den Geschichten, die nicht real sind, aber wahr.

Das Reale bricht zusammen und macht der Fiktion Platz. Mal treten wir in eine virtuelle Realität ein, in die wir echte Zeit und echtes Geld und vor allem echte Gefühle stecken, mal in eine narrative, einen Roman, einen Film, in den wir echte Zeit und echtes Geld und ganz besonders echte Gefühle stecken, oder wir verlieren uns in einem Tagtraum, während wir warten, das die Realität vorbeizieht.

Oder bricht vielleicht die Fiktion ein und das Reale macht sich bemerkbar? Wenn die Liebe nicht läuft, wie es Hollywood und Jane Austen vorhergesagt haben, wenn kein Held kommt, dich zu retten, wenn es kein Richtig und Falsch, kein Gut und Böse gibt, und alles nur irgendwie da ist, real ist.

„I like things to be story-shaped“, seufzt Neal Gaiman in einer der vielen Geschichten aus Fragile Things, und wer würde ihm nicht zustimmen?

Wir wollen in diesem Monat dem Bruch zwischen den Realitäten folgen. Wir folgen ihm in alle Richtungen. Wir leben auf seinen Rändern. Wie es sich gehört.

Ihre Chefredakteurin im April

Anne Wahl

Prosa

Nummer Eins (Lisa Herden)
Wenn Theater Realität wird (Kerstin Mertenskötter)
Im Turmzimmer (Elisabeth Schröder)

 Lyrik

Orphea (Dinah Schöneich)