Andere Orte – Zwischen Räumen und Zwischenräumen

Es gibt Orte, die sind gar keine Orte. Nein, das stimmt nicht. Sie sind es gerade doch. Die Orte zwischen den Orten, die Orte des Übergangs, die vorgestellten Orte. Die Leerstellen, die Schnittstellen, die Zwischen-Räume. Die Wort-Zwischenräume, die Räume zwischen den Zeilen, die Imaginationsräume zwischen einem Absatz und dem nächsten. Denkt – oder denkt nicht – an Atempausen oder Freizeichen oder Blicke oder Blackouts oder Links oder Leertasten. Oder Notizhefte.

Es gibt Orte, die Orte verbinden oder trennen oder beides zugleich. Orte, die Grenzen oder Schwellen sind, die Räume erschließen und abschließen, die als Überträger oder Umwandler fungieren für Anwesenheit und Abwesenheit, Ankunft und Abschied, für Formen von Bewegung oder für etwas, das in unserem Kopf geschieht. Denkt – oder denkt nicht – an Türen und Fenster und Brücken und Treppen und Schiffe und Bahnhöfe. Oder Bücher.

Es gibt Orte, die uns verändern oder an denen wir uns verändern. Orte, an denen wir anders oder andere werden. Orte der Verwandlung oder des Ausnahmenzustands, an denen wir lernen oder krank sind, an denen wir arbeiten oder meditieren oder betrunken werden oder sterben. Orte, die manchmal prekär sind und oft provisorisch, temporär, ephemer. Denkt – oder denkt nicht – an Demonstrationen, Kirchen, Raves, Universitäten, Kinos, Kliniken. Oder Lesungen.

Es gibt Orte, die irgendwie anders sind, an denen wir anders sind. Andere Orte. Im August begibt sich die kultextur auf die Suche nach solchen anderen Orten, mit anderen Worten: Orte zum Schreiben, zum Zeitvertreiben, zum Durchfahren, zum Stehenbleiben. Orte, die man aufsucht, um sie zu verlassen. Schauplätze für Geschichten oder für nichts. Der Ort für diese Suche sind eure und unsere Köpfe – und das Internet, der vielleicht größte Andere Ort der Welt. Oder?

Für die Redaktion im August,

Elisabeth Schröder

Prosa

Nicht russisch genug (Malte Klingenhäger)
Schwarze Oliven (Katharina Wolter)
Raumwörter (Anne Wahl)
Glückskekse (Lisa Herden)
Zurückgedacht werden (Kerstin Mertenskötter)
Sand (Julia Nüllen)

Lyrik

T.I.F.E. (Temporäres Institut für Erinnerungen) (Elisabeth Schröder)
Universität Bochum (Dinah Schöneich)

Informatives

Schreiborte I: Schreiben in Cafés (Julia Nüllen und Anne Wahl)