Deus Ex Machina – Des Autoren/Helden letzte Rettung

Malte Klingenhäger – Deus Ex Machina

Helden brauchen eine hohe Frustrationstoleranz. Wenn die feindliche Armee entschlossen vor ihnen aufrückt, zu ihrer Linken missgelaunte Drachen ihren feurigen Atem speien, zu ihrer rechten unbändige Naturgewalten toben und sich der Erzfeind aus Kindheitstagen hinter ihnen zum letzten Gefecht rüstet, wer würde sein Schicksal dann nicht verfluchen? Wer würde nicht die Faust gen Himmel recken, den verantwortlichen Entitäten den Mittelfinger entgegenstrecken und erbost Rettung verlangen? Wer würde sich nicht wundern, wenn einem dieser Wunsch dann prompt erfüllt wird?

Deus Ex Machina – das ist die Gottheit aus der (Bühnen-)Maschine. Die außenstehende Macht, die den Helden – oder die Heldin – aus einem Konflikt befreit, aus dem es sonst kein Entkommen gäbe. Ob in Form eines unerwarteten Zeugen, der die Ermittler endlich auf die richtige Spur bringt, als Kavallerie, die in letzter Sekunde zur Hilfe eilt oder als berittener Bote des Königs, der die Begnadigung der fälschlich Verurteilten in Händen hält: In Film, Theater und Literatur tauchen die kleinen und großen Plot-Gottheiten zahlreich und immer zur richtigen Zeit auf.

Doch wer ist schuld am Tumult? Einfallslose Autoren, die ihre verzweigten Handlungsstränge nicht anders zu einem befriedigenden Ende verknüpfen können? Die Zuschauer, Hörer und Leser, die einerseits immer spannendere, dramatischere Konflikte einfordern, andererseits ein Happy-End bevorzugen? Oder sind die Gottheiten aus der Maschine nur eine Form, die unglaublichen Zufälle zu beschreiben, die uns tagtäglich umgeben? Die kultextur greift in diesem Monat tief in ihre eigene, sprachliche Trickkiste, um für ihre Leser ein paar Antworten hervorzuzaubern.

Für die Chefredaktion im Juni

Malte Klingenhäger

Prosa

Eine Heldengeschichte ohne Helden (Lisa Herden)
Schöpfungskrise (Malte Klingenhäger)
Frank & Steffi (Dinah Schöneich)
Zeiten des Glücks (Anne Wahl)