Flamingos – American Kitsch und Poesie

Flamingos sind seltsame Grenzgänger. Ob sie auf ihren dürren Beinen durch flächige Gewässer waten oder auf dem abgewetzten Rasen des Zoos einbeinig verharren – sie scheinen mit ihren Gedanken nie ganz im Hier und Jetzt zu sein.

So bleibt man in der Begegnung mit ihnen immer bloß Betrachter, kann sich nur ein Bild von ihnen machen, jedoch nie einen wirklichen Kontakt herstellen. Mit ihren weichen, fast flauschigen Federn verkörpern sie zugleich den Entwurf eines anderen, eines paradiesischen Sehnsuchtsortes. Rilke hat sie in seinem Gedicht ‚Die Flamingos‘ (1907) als Blumen auf rosa Stielen bezeichnet und in ihrer grazilen Haltung möchte man jeder Bewegung dieser Vögel eine Geste unterstellen. Ein utopisches Potenzial sitzt ihnen im korallenen Gefieder, als wären sie Träger einer nie ganz sichtbaren, einer sich schützend verbergenden, wunderbaren Vision.

Vielleicht liegt es an ihren rosa-weißen Federn, vielleicht an den vorwiegend sonnigen Lebensräumen – ihre Darstellung jedenfalls sprengt nur allzu oft die Grenze zum Kitsch. In Vorstellungen dieser Art fristen sie in amerikanischen Vorgärten ein stummes Dasein als Plastikdekorationen oder baumeln auf dem Emblem einer grünen Palme am Schlüsselbund eines kalifornischen Cocktailbarbesitzers.

Doch Flamingos sind scheinbar auch die Vögel des ‚zu‘. Ihr Hals ist zu lang, kann sich zu sehr verdrehen, sieht zu seltsam aus. Ihre staksigen Beine sind zu hoch und zu dürr, doch letztlich ist ihr gesamtes Auftreten einfach zu ästhetisch, um sie nicht zum Monatsthema eines sommerlichen Juli zu machen!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen poetischen und kitschigen, einen ganz und gar flamingofarbenen Sommermonat.

Ihre Chefredakteurin im Juli,

Zoë Porombka

Lyrik

flamingofarben (Dinah Schöneich)
Prunkflamingos (Lisa Herden)

Prosa

Hans im Glück (Malte Klingenhäger)

Öffentliches

Habe ich mit meiner Forderung nach Syntax etwas kaputt gemacht?