Herr K. & Herr F. – Noch nie gesehen und gleich erkannt

Schmetterling: Nun endlich dieses Kribbeln, dieses Hochgefühl. Ich werde mich verwandeln sagte K. Ich habe noch viel vor.
 
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Liebe L. und F.,

Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht. Ich meine etwa den Pokal, den Harry Potter am Ende des Trimagischen Turniers gewinnen soll. In Wirklichkeit ist da ein Loch im Raum, eine Passage auf diesen Friedhof. Und in der Unendlichen Geschichte gibt es sogar das Nichts.

Doch diese Dinge sind im Grunde langweilig im Vergleich zu den wirklich alten Hasen im Kabinett des Ungreifbaren: Figuren, die nur Umrisse sind, Schatten und Spuren, nicht mehr. Sie heißen M., K. oder F. Und sie sind – überall! Unsere Recherchen – anfangs lückenhaft, umherschweifend, richtungslos und aufs Geratewohl, später irritiert, fast besessen – haben ergeben, dass die Weltliteratur voll von Figuren zum Selbstausmalen ist.

Haben Sie sich noch nie gefragt, wer der Landvermesser K. von Kafka ist? Oder die berühmten Anderen? Brecht überliefert die Geschichten vom Herrn K. und ein gewisser P. erzählt uns E.A. Poes Geschichte von Dr. D. und Mr. L. Auch immer wieder gern (nicht) gesehen: Mr. X. Wer ist das eigentlich? Sind das wie bei Musil Menschen ohne Eigenschaften? Und wenn ja: warum immer Herr K. und nie Frau? Woher wissen wir so sicher, ob diese Erzählungen mit all ihren K.s nicht ein und dieselbe Person meinen?

Das, was diese Figuren ausmacht, bleibt so dunkel wie ihr vages Erbe und Gesicht, doch sie sind da und alle reden von ihnen. Wenn man das so macht: wer verbirgt sich dann wirklich auf Parties der High Society hinter einer Maske? Wir wollen der Artischocke ans Herz.

Wir? Im April sind wir: die k.

Viel Freude mit unseren Geschichten von K. und F. und … anderen.
Eure Chefredakteurin im April,
D.S.

P.S.: Hier der entsprechende Buchtipp für alle Leseratten, Weltliteraturler und Komparatisten, die sich unserem ominösen K. auch auf kulinarischem Wege nähern möchten: Die Suppe des Herrn K.: Eine vollständige Geschichte der Weltliteratur in 15 Rezepten. (Mark Crick)

Prosa

Außergewöhnlich (Malte Klingenhäger)
Ein Jahr (Julia Nüllen)
Zeit des Wartens (Julia Nüllen)
K ist (fünf Versuche) (Elisabeth Schröder)
Als eines Tages Herr K. (Kerstin Mertenskötter)
Charakterupdate (Anne Wahl)