Jubiläum: 100% kultextur – So wie immer nur anders

1 Jahr kultextur

Wie viele Tage ein Jahr hat, ist leicht zu beantworten. Auch wenn es sich, wie beim vergangenen Jahr 2012, um ein Schaltjahr handelt, bleibt die Sache einfach. Aber wie lange ein Jahr wirklich dauert, ist eine völlig andere Frage: eine des Zeitempfindens. Ein Jahr kann wie im Flug vergehen, wie ein Wimpernschlag. Gleichzeitig kann in einem Jahr viel Wasser den Berg hinunterfließen, so sagt man.

Im Mai 2012 ging kultextur.de online und feiert nun den ersten Geburtstag. Ein Grund für uns zu fragen: Wie lang genau war denn eigentlich dieses erste kultexturelle Jahr?

Glaubt man dem irischen Schriftsteller George Bernard Shaw, der sagte: „Ein Jahr zählt mir so viele Tage, wie ich genutzt habe.“, dann verging das erste kultextur-Jahr wie ein Tastenschlag, denn es dauerte genau genommen nur 47 Montage und 46 Donnerstage. Doch auch unseren imaginären Berg ist ein rauschender Textfluss hinabgestürzt. Aber wie viel Text braucht es, um 93 Tage zu beschreiben und wie viele Ideen passen in ein Jahr?

Hier also die Bilanz nach einem Jahr kultextur: 215 Din-A-4-Seiten wurden beschrieben, was aneinandergelegt eine Strecke von 63 Metern ergibt. Auf diesen Seiten (Notizen und Skizzen nicht eingerechnet) haben 79.887 Wörter ihr Zuhause gefunden, 1 Video und 5 Audiobeträge haben kultextur.de bespielt und über den Daumen gepeilt, erreichten unsere Redaktionssitzungen zusammengefasst eine Gesamtdauer von zwei Tagen. Die Kaffeeliter, der Keksverbrauch und die Tonnen an zerknülltem Papier gehören zur Dunkelstatistik.

Bevor wir jedoch die zurückgelegten Wortmeter und durchwachten Textstunden hinter uns lassen und den Blick nach vorne richten, feiert die kultextur ihr Einjähriges sozusagen mit einem „Textperiment“: Wir schütteln unsere vergangen Texte kräftig durch, legen sie neu auf oder wie es in der Musik genannt wird: Wir covern und remixen sie. Herausgekommen ist ein Mixtape mit sieben neu interpretierten Texthits. Wir haben unsere Texte neu abgemischt, haben mit ihnen gepuzzelt, sie nach der Cut-up-Technik des Beatnik-Schreibers William S. Burroughs wieder zusammengesetzt, haben Abzweigungen in Geschichten gefunden, die bisher nicht begangen wurden, haben zitiert und paraphrasiert.

Wir hoffen, dass Sie genau so viel Spaß bei der Neuentdeckung bekannter Textlandschaften haben wie wir. Vielleicht hören und sehen Sie diesmal besonders genau hin, wenn die kultextur sich im Mai ein wenig anders liest und anders klingt – und dabei doch ganz vertraut erscheint.

Wir freuen uns auf die nächsten 52 Montage und 53 Donnerstage eines neuen kultextur-Jahres.

Ihre Chefredakteurin im Mai

Julia Nüllen

Prosa

Mein Drei-Tage-Bart lügt (Malte Klingenhäger zu Kerstin Mertenskötter)
Es guckt ein Kopf ins Nirgendwo (Lisa Herden zu Anne Wahl)
Ganz in der Nähe (Zoë Porombka zu Julia Nüllen)
Stau, Sturm, Wirbel (Julia Nüllen zu Elisabeth Schröder)

Lyrik

was passiert ist (Dinah Schöneich zu Lisa Herden)

Comic

Außerhalb der Stadt (Anne Wahl zu Dinah Schöneich)

Grenzübergreifendes

drei cut-ups: rot, blau, grün (Elisabeth Schröder zu Malte Klingenhäger)