Über Zeit – Die lange und die kurze Weile und der Moment dazwischen

Schatten und Licht auf der StraßeVorausgesetzt, schreiben wäre wie lesen,  wie leben,  ein Sichtbarmacher für das, was wir Zeit nennen. Ein merklicher Schatten dessen, was immer nur vorbeizuhuschen scheint. Stellen wir uns also vor, der Autor tüncht die Füße der Zeit in Tinte. Dann setzt er einen Anfang; Er stellt die Zeit in einer Ecke aufs Papier, um für eine Weile ihren Fortgang nachvollziehen zu können.

Der Unterschied zwischen Text und Zeit ist ja, dass der Textfluss ins Stocken geraten kann und wenn‘s ganz schief läuft, kann er unterbrechen.

Das zu verhindern, wäre Aufgabe der Textarbeiter, auch Autoren genannt. Etwa so: Sie wären dafür verantwortlich, dass die Füße der Zeit immer wieder in Tinte getüncht werden, und dass immer genügend Papier da sei, um ihre Wege zu betrachten.

Deshalb müssten Autoren überall sein, und Tag und Nacht am Fortwirken des großen Textes arbeiten; Zitieren, erfinden oder vortragen, mit Schichten an Text in der Eurobahn 89 sitzen (je nachdem, wie gut sie den Lesefluss erhielten, kämen sie bald oder noch lange nicht in Warburg an), auf der Bühne hin- und herlaufen, mitteilen, zanken und sich küssen. Oder im Publikum sitzen und pfeifen. Es bräuchte einen regen Austausch (wenn jemand dann behauptete, der Autor sei tot, wäre das nur ein Ausdruck für die chaotische Situation, in der niemand die Kontrolle behalten könnte).

Vielleicht pflegen Schreibende eine ganz besondere Zeit. Diesen Monat probieren wir deshalb einmal: eine lange Weile sehr kurz sein zu lassen; doch noch Wochen für die Hausarbeit zu spenden; oder eine Geschichte schon lange her sein zu lassen, obwohl sie erst noch geschehen wird. Nur ein paar kleine Verschiebungen im Raum-Zeit-Gefüge, entlang der Achse der Zeit – Hauptsache, sie bleibt nicht stehen.

Lyrik

Ortszeit (Elisabeth Schröder)
Zeitzonen/Ortszeit II (Elisabeth Schröder)

Prosa

Es wird einmal gewesen sein (Anne Wahl)
Hinter Glas (Malte Klingenhäger)
Alles, was danach kommt (Lisa Herden)
Butterblume (Dinah Schöneich)
Osnabrück-Münster (Anne Wahl)
Drei Stunden für Jana (Katharina Wolter)

Informatives

Von Sonne und Sonne und der Bachmannpreis-Arena (Zoë Porombka)