Editorial: Licht.Text

Liebe Leserinnen und Leser,

das Licht und seine Effekte sind faszinierend: Sternenkonstellationen, die Jahrtausende altes Licht auf uns herabschicken, dessen Quelle vielleicht längst erloschen ist; Sonnenstrahlen, die durch Blätter oder Wasser brechen und eine ganze Landschaft an Strukturen auf den Untergrund werfen; das Flackern eines Feuers, das Schatten und Licht gleichermaßen über Wände tanzen lässt. Auch wenn Licht nicht materiell greifbar ist, gibt es der Welt Form, Gestalt – ja, sogar die Illusion von Farbe. „Farbe ist die Artikulation des Lichts“, sagte der Lichtkünstler Otto Piene und machte es zeitlebens zur Aufgabe seines künstlerischen Schaffens, die Natur des Lichtes in ihren verschiedenen Facetten zu ergründen. Als Mitbegründer der international bekannten Künstlergruppe ZERO wurde er vor allem durch seine kinetische Lichtkunst, seine Lichtballette sowie die Experimente mit Feuer und Farbe in seinen Feuerbildern bekannt.

Diesen Monat nimmt kultextur Otto Piene und seine Lichtarbeit zum Anlass für eine textliche Auseinandersetzung mit dem Licht. Wir haben uns auf den Weg gemacht und uns von der aktuellen Sonderausstellung „Otto Piene. Licht“ inspirieren lassen, die zurzeit im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen ist. Wir haben in Lichträumen Galaxien über uns hinweggleiten lassen, haben die Corona Borealis aufgehen sehen, Bilder betrachtet, die vielversprechende Titel tragen wie die Geburt des Regenbogens oder die Feuerblume, und haben Fotografien beobachtet, die sich unter Lichteinfluss permanent weiterentwickeln.

Das Ergebnis unseres Ausflugs in die Lichtwelt Pienes ist ein Geschichtenkranz, der ähnlich wie das Licht, unterschiedliche Wege nehmen und Formen bilden kann. Er kann im großen Ganzen, wie ein Strahlenbündel, oder in seinen einzelnen Bestandteilen, wie kleine Lichtflecken und -sprenkel, gelesen werden. Er beinhaltet Geschichten, die von Lichtformationen und den „Stunden Null“ im Alltag erzählen.

Was in der Ausstellung „Otto Piene. Licht“ angefangen hat, möchten wir auch in nächster Nähe zu Pienes Werken vorstellen. Deshalb wird kultextur am Donnerstag, 9.Juli, im Rahmen der „Student’s Night: Lichtnacht #1“ im LWL-Museum Auszüge aus dem Geschichtenkranz lesen.

Das gesamte Textwerk erscheint ab Donnerstag und in den folgenden Juliwochen hier auf kultextur.de.

Licht an!

Ihre kultextur

Diesen Monat in kultextur:

Der Geschichtenkranz – Erster Anfang
Der Geschichtenkranz – Zweiter Anfang
Der Geschichtenkranz – Dritter Anfang
Der Geschichtenkranz – Vierter Anfang
Der Geschichtenkranz – Letzter AnfangNEU

Wenn ich ein Lichtgeist wäre… kultextur auf der Lichtnacht #1 - NEU