Faktion – Lauschen an der vierten Wand

Faktion - Lauschen an der 4. WandLiteratur kann kompliziert und geradezu labyrinthisch sein. Beruht das Geschriebene auf der Wahrheit oder handelt es sich um einen fiktiven Plot, der durch Fakten inspiriert wurde oder aber ist das Werk gar eine vollständige Fiktion? Verschwimmen die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, bleibt das Gefühl des Verlorenseins und die Orientierung muss wieder gefunden werden.

Ebenso verwirrend sind moderne Theaterinszenierungen. Besonders dann, wenn man mit klassischem Theater gerechnet hat. Auf einmal ist man dabei und mitten drin, obwohl man – im schlimmsten Fall – vorhatte, sich zwei Stunden lang „berieseln“ zu lassen. Ständig ist man sich bewusst, dass man nicht nur Zuschauer sondern Teil des Stücks ist und direkt angesprochen oder sogar auf die Bühne gebeten werden kann.

Bei Theaterinszenierungen, bei denen plötzlich das Mitwirken einzelner Zuschauer gewünscht ist, verstecke ich mich jedenfalls immer verschämt hinter dem Programmheft oder achte bei der Platzwahl darauf, nicht am Rand zu sitzen.

Beim Lesen eines Romans wähnte ich mich diesbezüglich lange in Sicherheit. Bisher haben sich die Figuren noch nicht aus der Druckerschwärze einen Körper geformt, sind aus den Seiten heraus gestiegen und haben mich in ein Gespräch verwickelt. Und dennoch: wir erschaffen die Figuren aus den Texten heraus und selbst wenn wir das Buch schließen – oder das Theater verlassen – denken wir oftmals noch über sie nach und manchmal haben wir das Gefühl, dass sie uns auf gewisse Art und Weise begleiten.
Aus diesem Grund erscheint es sonderbar gerechtfertigt zu fragen: Wie stabil ist eigentlich die vierte Wand?

Eure Chefredakteurin im Mai
Lisa Herden

Informatives

Ich, die Figur? – Interview mit Marc Bensch über autobiographisches Schreiben (Malte Klingenhäger)

Lyrik

Ein unglücklicher Charakter (Lisa Herden)

Theater

Lose Gedanken zum Verhältnis von Faktionen und vierten Wänden auf dem Theater und in Texten (Zoë Porombka)

Prosa

Thomas hinter der Wand (Anne Wahl)
Zirkus (Dinah Schöneich)
Immer nur das Beste (Julia Nüllen)

Comic

Löcher in der Wand (Malte Klingenhäger)

Bildende Kunst

THE VISUAL ART OF WRITING I: Das Schreiben, das Zeichnen und Foucaults Falle des Kalligramms. Ein Erlebnisbericht (Elisabeth Schröder)