Editorial: Sommernacht – Wenn wir nicht schlafen, sind wir draußen

Foto:Julia Nüllen

 

Liebe Leserinnen und Leser,

wir sitzen am See, am Kanal oder vielleicht im offenen Fenster und lassen die Beine baumeln. Die Hitze des Tages steigt aus dem Asphalt zu uns hinauf oder staut sich in den angrenzenden Kornfeldern. Dabei taucht die Sonne den Himmel in goldbraunes Licht und die Dämmerung streckt sich hin. Von irgendwoher klingt Musik und wir hören Menschen lachen.

Sommernächte sind diese Momente – und tatsächlich scheinen diese Nächte nie länger als ein Augenblick zu sein – in denen Kitsch ernst ist und echt. Auf Bierkisten vor dem Eckkiosk werden wir zu Großstadtphilosophen, legen unsere großen Pläne voreinander offen, hören den Song unseres Lebens aus dem Nachbarfenster im Innenhof schallen und haben Schicksalsbegegnung an der Pizzeriatheke.

Die Sommernächte werden nostalgisch verklärt bereits während sie geschehen und wenn es wieder hell geworden ist sowieso. Damit kommt die Erinnerung an das langsam schwindende Licht, die Wärme und den Geruch des Wassers, des Betons: Egal, wo wir unsere Sommernächte verbringen, zwischen Kornhalmen, auf Dachterrassen, oder im Bett, in dem wir uns auf der verzweifelten Suche nach Schlaf hin und her wälzen. Wir schlafen in dieser Zeit wenig – dafür sind Sommernächte zu schade – und fantasieren umso mehr. Diese Stunden sind inspirierend – wir von kultextur schreiben und wir genießen.

Deshalb handelt der kultextur-Monat August von solchen Momenten und von Menschen, die sie bedeutungsvoll machen.

Ihre Chefredakteurinnen im Juli

Lisa Herden und Julia Nüllen

Prosa

Schifffahrt (Lisa Herden)
Phantomsommer (Julia Nüllen)

Lyrik

wasteland (Sophie Garbe)
Sommernacht (Zoë Porombka)