Speicher voll.

 Im Dezember erfüllt mich regelmäßig eine unheimliche Müdigkeit. Ich sitze am Schreibtisch, sehe dem langsam aus den Feldern aufsteigenden Nebel zu und wünsche mir, ich hätte Zeit zum Nebelgucken.

Vielleicht ist die Dunkelheit an der Müdigkeit schuld oder die „Stress ist ein Lebensgefühl“-Einstellung vieler meiner Mitmenschen, die mir zur Weihnachtszeit besonders ausgeprägt vorkommt oder die Tatsache, dass bald schon wieder ein Jahr vorbei sein wird.

Ich merke nicht, dass die Zeit vergeht; ich stelle nur fest, dass sie vergangen ist. Schon wieder Dezember? Das alte Jahr fühlt sich fad an, vollgestopft mit Erlebnissen und Erinnerungen wie eine Speicherkarte, deren maximale Datenmenge bald erreicht ist.

Irgendwann werden wir sagen: „Wisst ihr noch, damals … Zweitausenddreizehn?“, und uns erinnern, dass wir in den letzten zwölf Monaten Freundschaften geschlossen, Neues angefangen und Altes zu Ende gebracht, dass wir erinnerungswürdige Erlebnisse gesammelt haben. Doch noch ist das alte Jahr da, noch können wir darin leben. Am 31. wird die maximale Datenmenge erreicht sein.

Neujahr werde ich dann mit gespitztem Bleistift eine neue Jahreszahl notieren, frisch und unverbraucht. Bald ist es Zeit für etwas Neues!

Vorfreudig

Ihre Chefredakteurin im Dezember,

Lisa Herden

Prosa

Urlaubssehnsucht (Lisa Herden)
Speichervoll (Zoë Porombka)
100% (Julia Nüllen)

Lyrik

kalenderblatt (Dinah Schöneich)

Bildende Kunst

aufhören/anfangen (Elisabeth Schröder)