Editorial: Textnachricht – Allerhand geschriebener Krimskrams im Zeitalter des digitalen Irgendwas

Textnachricht - Allerhand geschriebener Krimskrams im Zeitalter des digitalen Irgendwas

Wir schreiben das Jahr 2016. Und ja, tatsächlich: Im Jahr 2016 wird immer noch geschrieben. Und zwar mehr denn je.

Wer dachte, dass das Schreiben als Distanz überwindendes Kommunikationsmittel im digitalen Zeitalter überflüssig werden würde, hat sich getäuscht. Statt Videobotschaften auf frei im Raum schwebenden Hologrammoberflächen auszutauschen, schreiben wir immer noch wie die Verrückten. Genauer gesagt: Auf Websites, in Blogs, in E-Mails und Kurznachrichten produzieren wir Text, als ob es kein Morgen gäbe – so viel wie wohl noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Dass Schreiben für viele inzwischen eher bedeutet, Tasten zu drücken statt ganz traditionell ein Schreibgerät übers Papier zu führen, tut der Sache keinen Abbruch. Natürlich lässt sich fragen, ob überhaupt noch von Schreiben die Rede sein kann, wenn digitale Helferlein unsere Worte bereits nach zwei getippten Buchstaben auf wundersame (und manchmal skurrile) Weise vervollständigen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass wir trotz der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Kommunikations- und Ausdrucksmittel immer noch äußerst gerne mit Buchstaben hantieren.

In Textnachrichten können wir uns – auch wenn wir damit ziemlich schnell kommunizieren – einen Moment lang Zeit nehmen. Wir müssen nicht sofort Rede und Antwort stehen wie im direkten Gespräch, können den richtigen Tonfall, die richtigen Worte wählen, können Dinge andeuten oder auslassen … Und falls wir den passenden Gesichtsausdruck zum geschriebenen Wort brauchen, basteln wir ihn aus Satzzeichen zusammen oder fügen den entsprechenden Smiley aus der Emoji-Palette ein.

Und wenn es uns doch mal zuviel wird mit dem Starren auf Displays, mit LG, lol, ^^, ;-) , mit Postings und Hashtags und anderen Kenn-Zeichen digitaler Kommunikation, dann greifen wir Heutigen übrigens immer noch zu Stift und Papier, schreiben Urlaubskarten, Liebesbriefe – oder kritzeln Textnachrichten an uns selbst in unsere Schreibkladden (siehe hierzu das kultextur-Monatsthema im Januar 2016, in dem wir einen digitalen Einblick in unsere analogen Notizbücher gewährten).

Im März dreht sich bei kultextur alles um die vielfältigen Formen moderner Schriftkommunikation. In diesem Monat freuen wir uns ganz besonders über text messages von Ihnen via E-Mail, Facebook, Twitter & Co. – und natürlich auch per Post! Außerdem starten wir auf unserem Twitter-Account @kultextur ein Textexperiment: Bis Ende des Monats werden wir dort zweimal täglich in 140 Zeichen von einem Morgen und einer Kurznachricht erzählen.

Für die Redaktion im März

Elisabeth Schröder