Erinnerungen

Mit dem Titel von Elisabeth Schröders Text T.I.F.E. (Temporäres Institut für Erinnerungen) weiß man im ersten Augenblick nicht, was man mit dem Titel anfangen soll. Wie soll man die Buchstaben aussprechen? Englisch? Nein, doch nicht und wenn man das geklärt hat, stolpert man über den Gegensatz zwischen ‘temporär’ und den grundlegend nicht zeitlich begrenzten Erinnerungen. Es ist ein Titel, der neugierig macht und der andeutet, dass dieser Text komplexer ist, als seine Länge auf den ersten Blick vermuten lässt. Tatsächlich erfährt der Leser am Ende der Seite, dass es ein Ausschnitt eines größeren Textes ist, der wiederum Teil eines Projekts ist.

Dieses anfängliche Dilemma ist symptomatisch für Elisabeth Schröders Arbeiten: Außer einem unterschwelligen Gefühl von Sehnsucht, das sich auch in ihren Texten und Bildern zu lauen Sommerabenden oder in Erinnerung an eine vor langer Zeit statt gefundenen Klassenreise findet, sind sie zu vielfältig, um sie direkt einzuordnen. Was zeigt sie uns als nächstes? Ein Prosagedicht, eine Polaroidfotografie, einen Hörtext?

Elisabeth Schröder gelingt es in diesem „Greatest Hit“ in weniger als drei Zeilen einen Ort und eine Stimmung darzustellen. Sofort entstehen eigene Bilder vor dem geistigen Auge: das Bett, die Spinne, die Spinnenweben. Doch damit nicht genug. Elisabeth Schröder lässt den Betrachter den Text auf unterschiedliche Weise erfahren. Man ist Betrachter, Leser und Hörer zugleich. – Lisa Herden

 

T.I.F.E. (Temporäres Institut für Erinnerungen)


“Auf dem Rücken liegen / Blick an die Decke auf dem Bett / Spinne in der Ecke liebe Spinne bau dein Netz / bau es gründlich bau es dicht und bau es fest / damit keine Erinnerung es jemals mehr verlässt /…”

Das vollständige Gedicht als Hörtext:

T.I.F.E. (Temporäres Institut für Erinnerungen) ist ein Repost vom 06. August 2012, den Elisabeth Schröder zum damaligen Monatsthema Andere Orte veröffentlicht hat.