Lose Gedanken zum Körper, der der Körper ist, der der Körper ist.

Im Zuge der Flächigkeit medial vermittelter Bilder wird auch der Körper scheinbar zum Bild – in seiner dreidimensionalen Leiblichkeit verschwindet er dabei geradezu. Dafür ermöglichen die Medien dem Körper ein neues sich-zur-Schau stellen, ermöglichen ihm, das eigene KörperBild bewusst zu beeinflussen. Von You-Tube-Channels, geposteten Fotos über Reality-Shows folgt dabei allzu häufig der Versuch, sich einem idealisierten Bild von Körperlichkeit anzupassen, wie es sich in retuschierten Werbekörpern, den Hyperkörpern oder übersteigerten Fitnesskörpern zeigt.

Auf der postdramatischen Bühne etabliert sich als Antwort auf derartige sozio-kulturelle Entwicklungen die Selbst-Präsentation in einer neuen Selbstverständlichkeit: Der ästhetisierte Körper des Schauspielers tritt in den Vordergrund und verschwindet nicht mehr zwingend hinter einem darzustellenden Figurenkörper. Er zieht die Blicke auf sich, die am Schauspielkörper kleben bleiben, die nicht weiter kommen, nicht dahinter schauen können und den Figurenkörper als geschlossene, konstante Einheit vergeblich suchen.

So ist es nicht verwunderlich, dass viele postdramatische Inszenierungen eine Affinität zu devianten, zu übersteigert muskulösen, abgemagerten oder fettleibigen, zu grotesken und irritierenden Körpern haben. Postdramatisches Theater scheint eine gänzlich sinnliche Angelegenheit. Der Körper wird zum ästhetischen Objekt, an dem man sich stoßen und eigene Normen hinterfragen kann.  Wie dies für alle Zeichen im postdramatischen Theater gilt, löst sich auch das Theater-Zeichen ‚Körper‘ vom Bühnentext und damit von einer festgeschriebenen Bedeutung.

Der Körper des Darstellers wird so zum selbstreferenziellen Zeichen – vor allem in Bezug auf die Einbindung von Tanz. Der tanzende Körper zeigt dabei vor allem sich selbst, ist mehr Geste und Energie als konkrete Bedeutung. Im Gegensatz zum modernen Tanz, dem man noch mit einer Art syntaktischen Struktur aus verschiedenen, entschlüsselbaren Tanzzeichen beikommen kann, zeigt sich Tanz auf der postdramatischen Bühne eher als emotional aufgeladener Impuls. So wird häufig eine seelische Verfassung ausgedrückt, die im Scheitern, im Fall, im unkontrollierten Zucken oder in der Deformation den Grenzbereich von Ausdrucksmöglichkeiten erforscht. Mit anderen Worten: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose und der Körper ist eben der Körper ist eben der Körper.

Als Beispielvideo: Ein Trailer zu ‚Rausch‘ von Falk Richter und Anouk van Dijk (Düsseldorfer Schauspielhaus)