Zusammenhangloses

Donnerstag, 3.3.

Sie hatte eine ganze Wand voller Bücher und ein jedes von ihnen hatte den Rücken gebrochen. Doch ob das bedeutete, dass sie die Bücher grob behandelte oder nur viel darin las, konnte er nie entscheiden. Er sah sie keines von beidem jemals tun.

Mittwoch, 13.3.

Wenn ich Wäsche wasche, habe ich saubere Socken. Wenn ich saubere Socken habe, muss ich nicht die alten Socken anziehen, die auf dem Regal liegen. Wenn ich nicht die alten Socken auf dem Regal anziehen muss, dann liegen die immer noch da, wenn du kommst. Wenn du kommst und die liegen immer noch auf dem Regal, entdecke ich sie mit Sicherheit erst, wenn Du klingelst. Wenn ich die alten Socken auf dem Regal erst entdecke, wenn Du klingelst, beeile ich mich sie schnell wegzuräumen. Wenn ich in Eile bin, stolpere ich über meine Füße. Wenn ich auf dem Weg zu dem Regal mit den Socken über meine Füße stolpere, dann schlage ich mit dem Kopf auf die Herdplatte auf. Dann bin ich tot. Dann werde ich Dir nicht öffnen, und Du wirst denken ich sei noch immer sauer wegen gestern.

Samstag, 23.3.

Schlussendlich war folgendes passiert. Obwohl „schlussendlich“ in einer Geschichte über Zeitreisen natürlich nicht ganz dieselbe Bedeutung hat, bleiben wir dennnoch dabei. Also schlussendlich war folgendes passiert, bzw. wäre passiert gewesen, wenn wir es nicht verhindert werden haben. Oder so ähnlich.

Irgendwann in der Mitte der Geschichte wird Thomas Tobeck umgebracht werden und zwar von seinem Urenkel, Johannes Thomas Tobeck, mit Hilfe eines Schlags auf den Hinterkopf durch die kleine Pferdestatue zur Erlangung des dritten Platzes beim Dorsfelder Dressurreiten, den seine Mutter, Susanne Tobeck, geb. Bruns, vor fast fünfundzwanzig Jahren gewonnen hatte, bevor in einer unglücklichen Stunde für die ganze Familie ihr Sattelgurt eines regnerischen sonntagmorgens riss, sie fiel und verschied.

Wobei, wie sich später herausstellte, die Stunde für Thomas Tobeck und seinen Sohn Markus, gar nicht so unglücklich gewesen war, denn sie erbten ALLES und es ist sehr wohl angebracht dieses ALLES in großen Buchstaben zu schreiben.

Unglücklich allein war der kleine Johannes, der nicht nur NICHTS erbte, sondern auch an seiner Mutter hing und der, wie das jedes Mal früher oder später passiert, selbst in einer Geschichte ohne Zeitreisen natürlich die Wahrheit herausfand.

Die Wahrheit war gewesen, wie dies inzwischen sicherlich erahnt wird, dass Thomas Tobeck Susanne Tobeck umbrachte, wegen des Geldes. Der ganze Fall war dermaßen typisch, dass nicht einmal sicher war ob Z.E.I.T. (Zeitverzögerte Ermittlungs- und Investigativ-Truppe) überhaupt zum Einsatz kommen sollte, denn wenn diese jeden Mord unter Verwandten wegen des Geldes verhindern wollten, hätte das Realitätsfeedback sie alle schon in die Psychiatrie gebracht.

Aber Bettina, „Chef“ genannt, hatte passend zu dem Rest von ihr, ein riesiges, weiches Herz aus Gold, und beschloss, dem armen Johannes Tobeck, der in Verhörraum 2 wortwörtlich Rotz und Wasser heulte, zu helfen indem sie dafür sorgte, dass all das niemals passiert gewesen sein wird.

Und weil ich derjenige bin, der von Zeitfeedbacks, selbst dieser Größenordnung weder Herzverengungen noch Nahtoderfahrungen, noch zuckende Augenlieder, sondern höchsten hier und da ein paar Stresspickel bekommt, musste ich natürlich den Zeitschleifen-Anruf tätigen. Das war eine Realitätsveränderung von 22 Jahren, 11 Tagen, 8 Stunden, 3 Minuten und 27 Sekunden und ich bekam einen gewaltigen Stresspickel, direkt auf dem rechten Nasenflügel.